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  • Von: DOAG Online
  • Themen
  • 30.10.2018

Wissenswertes über die Geschichte der Datenspeicherung und Datensicherung

Wie ist man früher nur mit Disketten klargekommen? Heutzutage wachsen die zu speichernden Informationen in einem rasanten Tempo und die Speichermedien werden dabei immer kleiner. Oder sie sind überhaupt nicht mehr sichtbar für den Benutzer, wie im Falle des World Wide Webs. Der Artikel macht eine Reise zu den Anfängen der Datenspeicher und zeigt, wie weit wir gekommen sind.

Dieser Artikel erschien zuerst im zweimonatlich erscheinenden ORAWORLD e-magazine, einer Publikation der EOUC mit spannenden Geschichten aus der Oracle-Welt, technologischen Hintergrundartikeln und Einblicken in andere User Groups weltweit.

 

Lochkarte

Eine der ersten Methoden zur Datenspeicherung für die ersten Computer waren Lochkarten. Diese Lochkarten aus Papier hatten Löcher, die maschinell oder von Hand gestanzt wurden. Die somit gelochten und nicht gelochten Positionen stellten digitale Informationen dar, die von Computern oder Maschinen ausgelesen wurden. Bei den üblichen Lochkarten gab es 80 Spalten und 12 Zeilen zum Stanzen. Interessantes Detail: Die heutzutage übliche maximale Zeilenlänge von knapp 80 Zeichen in E-Mails lässt sich auf das Lochkartenformat zurückführen.

Herman Hollerith ist der Erfinder der auf Lochkarte basierenden Technik, die als Erstes in der Lage war, Daten aufzuzeichnen, zu speichern und maschinenlesbar zu machen. Diese Technologie wurde für die Volkszählung in den USA im Jahre 1890 entwickelt. Danach wuchs das Angebot an Maschinen zur Verarbeitung von Lochkarten rasant. Im Jahr 1937 produzierte IBM 10 Millionen Lochkarten täglich.

Über die Jahrzehnte wurden Lochkarten durch andere Speichermedien ersetzt. Sie sind aber immer noch Teil spannender Überlegungen: Wenn wir beispielsweise davon ausgehen, dass Google eine Speicherkapazität von 15 Exabyte hat, also 15.000.000.000.000.000.000 Bytes, dann wäre die Region Neuengland zu einer Tiefe von etwa 4,5 Kilometern mit Lochkarten bedeckt, um die gleiche Datenmenge zu speichern (Quelle).

Magnetband

Durch die Einführung von Magnetbändern als Speichermedium Ende der 1960er-Jahre war es plötzlich möglich, deutlich größere Datenmengen zu speichern. Eine Rolle Magnetband konnte so viel Daten speichern wie 10.000 Lochkarten, sodass Magnetband bis Mitte der 1980er-Jahre sehr beliebt war. Darüber hinaus war Magnetband auch wiederbeschreibbar – ein Punkt, der die Art der Datensicherung revolutioniert hat. Durch Magnetband wurden Speichermedien außerdem erstmalig für Privatzwecke benutzt – viele kennen Magnetband sicherlich noch als Tonband oder als Kassette für Musik.

Festplatte

IBM hat 1953 die weltweit erste Festplatte (hard disk drive - HDD) entwickelt und 1956 auf den Markt gebracht: Das IBM 350 Speicherlaufwerk war Teil des IBM 305 RAMAC-Computers und hatte die Maße eines Wohnzimmerschranks: 173 cm hoch, 152 cm breit und 74 cm tief. Das Gerät enthielt 50 mit Eisenoxid beschichtete Aluminiumplatten mit einem Durchmesser von 61 cm. Die Speicherkapazität der gesamten Komponente: etwa 3,75 MB. Das Gewicht betrug knapp eine Tonne.

Die Festplatte konnte aufgrund der Lärmentwicklung nur mit Gehörschutz betrieben werden. Laut Angaben von IBM wurden etwa 3.000 Plattenspeichergeräte des Typs „350“ gebaut.

Ein Smartphone mit 16 GB SSD – also etwa das 4.000-fache der Speicherkapazität der ersten Festplatte – hätte mit der Technologie von 1956 die Ausmaße eines Wohnblocks: 20 Meter hoch, 40 Meter breit und 10 Meter tief (Quelle). Wie gut, dass wir diese Speichermenge heute einfach in unserer Hosentasche transportieren können.

Diskette

Viele erinnern sich bestimmt noch an die Plastikdisketten, die uns über die Jahre begleitet haben und die wir liebgewonnen haben, da sie uns an Computerspiele wie Lemmings, Monkey Island und Xenon 2 herangeführt haben. Die erste Diskette wurde 1969 von IBM auf den Markt gebracht und war eine rein lesbare 8-Zoll-Disk, die 80 kB an Daten speichern konnte (also in etwa 1.000 Lochkarten). Die Speichergröße hat sich 1973 auf 256 kB erhöht, die Disketten waren dann auch wiederbeschreibbar. Zusätzlich waren Disketten flach und Daten waren nicht mehr auf einer Rolle gespeichert, sodass es nicht mehr erforderlich war, Daten sequenziell zu speichern. Auf alle Daten konnte nun sofort zugegriffen werden und die Daten waren unverzüglich verfügbar.

Später wurden die Disketten kleiner, 3,5 Zoll, und gleichzeitig konnten sie mehr Daten speichern, Ende der 1990er-Jahre etwa 250 MB. Disketten erfreuten sich großer Beliebtheit, da sie günstiger und flexibler als Festplatten waren.

CD/DVD

Durch die Einführung von Compact Discs (CDs) gehörte die geringe Kapazität der Diskette der Vergangenheit an. Anfangs gemeinsam von Philips und Sony 1979 als eine digitale Audiodisk erfunden, wurde sie über die Jahre eine gängige Art bei Heimnutzern und kleinen Unternehmen zur Sicherung, als der Preis für CDs sank. CDs können bis zu 900 MB an Daten aufnehmen. Das sind 500.000 Seiten Text im A4-Format. Im Jahr 2001 folgte auf die CD die DVD und dann die Blu-ray, die bis zu 50 GB an Daten speichern kann.

Heute: Flash-Laufwerke, Rechenzentren, Cloud

Zum Anfang des 21. Jahrhunderts kamen USB-Sticks und externe Festplatten auf den Markt. Heutzutage findet man keine USB-Sticks mehr, die nicht etliche Gigabytes speichern können. Für die ersten Modelle waren jedoch nur ein paar Megabyte üblich. Fast jeder scheint mindestens einen USB-Stick in der Schublade zu haben, was durch die geringe Kapazität allerdings recht nutzlos erscheint. Die gleiche Entwicklung gilt für externe Festplatten, während zeitgleich die Kosten pro Gigabyte über die Jahre gesunken sind.

Durch Rechenzentren und die Cloud hat die Datenspeicherung eine ganz neue Dimension erreicht. Es wird interessant zu sehen, was die Zukunft bereithält. Eines scheint sicher: Durch die täglich wachsende Datenmenge sind nach oben keine Grenzen gesetzt.