Zwischen Best Practices und Implementationsalptraum

  • Erstellt von DOAG Online
  • Datenbank, Development

Er ist der Mann hinter AskTom, der Datenbankexperte mit über 25 Jahren Erfahrung, der seit Jahrzehnten die Fragen der Oracle-Community beantwortet. Tom Kyte tourt dieses Jahr wieder mit seinem Programm "Real World Performance Tour" durch Europa und wird am 25. März 2015 in Wien Halt machen. Im Interview mit DOAG Online spricht er über die Veranstaltung sowie über die Belange und Sorgen von DBAs und Entwicklern.

Er ist der Mann hinter AskTom, der Datenbankexperte mit über 25 Jahren Erfahrung, der seit Jahrzehnten die Fragen der Oracle-Community beantwortet. Tom Kyte tourt dieses Jahr wieder mit seinem Programm "Real World Performance Tour" durch Europa und wird am 25. März 2015 in Wien Halt machen. Im Interview mit DOAG Online spricht er über die interaktive Veranstaltung sowie über die Belange und Sorgen von DBAs und Entwicklern.

Tom Kyte

Wann können IT-Fachleute sagen: "Mein IT-Systems ist gut genug"?

Wenn Sie Andrew Holdsworth – einen der Moderatoren vom Real World Performance Day – dazu befragen, wird er mit einem klaren "nie" antworten.

In unserer Real World Performance Tour reden wir über die Voraussetzungen und Ansätze (Neuschreiben von Software), mit denen Sie in der Lage sein sollten, 100 – vielleicht sogar 1.000 Mal schneller zu werden. 

Geben Sie sich mit fünf Mal oder 10 Prozent zufrieden, so lange es noch Luft nach oben gibt und es noch schneller, noch besser geht. 

In der IT-Welt sprechen wir viel über sogenannte "Best Practices". Ist es nicht interessanter, über "Worst Practices" zu reden?

Ich für meinen Teil bin nicht dafür, Best Practices im Allgemeinen anzupreisen. Ich habe einen Vortrag mit dem Titel "The Best Way ". Darin geht es genau darum: Ich spreche über Best Practices und über die Gefahr, die sie darstellen können, wenn sie in die falschen Hände geraten. 

Im Normalfall sind Personen, die nach Best Practices suchen, "Neulinge" – also Personen, die lange Zeit kein Development gemacht haben, oder die vielleicht nicht so viele Erfahrungen in dem Bereich haben. Sie wollen wissen, was der beste Weg ist, um etwas zu realisieren. 

Die Wahrheit ist: Wenn es einen einzigen besten Weg gäbe, irgendetwas zu machen, warum sollte die Software mehr als eine Möglichkeit geben, dies zu realisieren? Das wäre ja nicht besonders schlau. 

Im Umkehrschluss kann man sagen: Wenn es mehrere Wege gibt, ein Ziel zu erreichen, dann weil jeder dieser Wege der beste ist. Aber eben unter den entsprechenden Voraussetzungen. Um die Best Practices zu identifizieren und sie sicher zu nutzen, braucht man ein sehr gutes Verständnis der entsprechenden Sachverhalte.

Personen müssen in der Lage sein, diese Best Practices zu filtrieren und sogar abzulehnen, je nachdem, ob sie für diese Situation gültig sind oder nicht. Es ist sehr wichtig, sich darüber im Klaren zu sein.

Kurzum: Die Best Practices einer Person können der Implementationsalptraum einer anderen sein. Es gibt nicht die eine beste Möglichkeit, etwas zu tun!

Graham Wood

Haben Sie einige Favoriten, die Sie mit uns teilen können?

Sagen wir es mal so: Ich habe einen "Worst Practices"-Vortrag. Die Hauptthemen sind: "Wahrscheinlich muss man keine Bind-Variable nutzen" (größtenteils muss mann, aber manchmal nicht). "Wahrscheinlich muss man das Design nicht überdenken, um zu skalieren oder um eine sichere Umgebung zu haben"; "wahrscheinlich waren DBAs und Entwickler nie dazu gedacht, freundlich zueinander zu sein"… Das sind nur einige Themen unter vielen. 

Was sind in Ihren Augen Zukunftsthemen für Datenbankexperten?

Es sind die gleichen wie bisher: Sie brauchen ein gutes Verständnis von dem, wie Datenbanken funktionieren. Damit meine ich die Datenbanken von heute, die Datenbanken, die Anwender nutzen. 

Erlangen Sie ein gutes Verständnis davon, wie Transaktionen laufen und wie sie korrekt anzuwenden sind. Verstehen Sie das enorme Set an Funktionalitäten, das Ihnen zur Verfügung steht und nutzen Sie sie – Sie müssen nichts neuerfinden, wenn es schon vorhanden ist. Kurzum: Lernen Sie, wie die Bits von Software – Betriebssystem, Datenbank, Applikationsserver – zusammen arbeiten und nutzen Sie diese Kenntnisse, um herauszukriegen, was der beste Weg ist, etwas zu realisieren. 

Andrew Holdsworth

Welche sind die wichtigsten Herausforderungen für Datenbank-Administratoren?

Wenn Sie mich fragen… Jedes Mal, wenn wir in der Datenbank etwas automatisieren, fügen wir fünf weitere Features hinzu, denen Aufmerksamkeit und Bedeutung beigemessen werden sollte. 

DBAs sehen nur, dass ihre Nutzerbasis stets wächst. Sie schrumpft nie. Immer mehr Benutzer sind auf Applikationen, auf Datenbanken angewiesen. 

DBAs sehen ihre Datenbanken wachsen – dabei spreche ich sowohl von der Größe der einzelnen Datenbanken als auch von der gesamten Menge. Niemand nimmt eine Datenbank außer Betrieb, niemand verkleinert eine Datenbank. Alle fügen neue Daten hinzu und erstellen neue Datenbanken, die angefüttert werden müssen und Aufmerksamkeit und Pflege brauchen. 

DBAs sehen nur die Verfügbarkeitszeiträume wachsen. Die Datenbanken müssen immer da sein.
Vor zwanzig Jahren – vor dem Internet, wie wir es heute kennen – mussten Anwendungen von Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr laufen. Normale Betriebe haben vielerorts außerhalb dieser Zeiten die Datenbanken heruntergefahren. Wartungsfenster waren reichlich vorhanden. Heute ist das nicht mehr der Fall. 

Und aus all diesen Gründen kann man sagen: Während einige Dinge immer einfacher wurden (zum Beispiel automatic undo, automatic PGA, system allocated extents, etc.), sind andere Dinge immer komplexer geworden.

Mit Ihren beiden Kollegen Graham Wood und Andrew Holdsworth präsentieren Sie Ihr Programm Real World Performance Tour. Es ist eine interaktive Ganztagsveranstaltung, die von den deutschsprachigen Anwendergruppen mitorganisiert wird. Können Sie uns ein paar Einblicke in die Veranstaltung geben?

Vorschau - Real World Performance TourDas wird ein sehr interessanter Tag werden. Wir brechen mit dem traditionellen, linearen Ablauf ab. Statt einen Vortrag nach dem anderen anzubieten, sind wir alle drei auf der Bühne mit jeweils einem Mikrophon und einer großen Leinwand. Es gibt eine Menge Interaktion. Ich denke, das macht es viel interessanter (die Chancen einzuschlafen sind geringer!) und gibt den Zuschauern unterschiedliche Meinungen wieder. Andrew, Graham und ich, auch wenn wir schon lange bei Oracle arbeiten, haben sehr unterschiedliche Backgrounds und Erfahrungen. Das ist der Grund, weshalb wir die Dinge unter unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten und uns auf verschiedene Geschichten berufen. Ich denke, das sind gute Voraussetzungen für einen spannenden Tag.

Wenn Sie neugierig sind, besuchen Sie doch mal folgende Webseite. Dort sehen Sie in einem kostenfreien Auszug, wie wir uns vorstellen und die Themen einführen, über die wir eingehen werden.