"Die Entwicklung geht in den letzten Jahren so rasant vorwärts, da bringt es wieder richtig Spaß, mit Java zu arbeiten" – Interview mit Marcus Fihlon

  • Erstellt von Marcos López
  • Javaland, Java

Der agile Coach, Dozent und Schweizer Java User Group Manager organisiert mit der Sternfahrt und dem Studio zwei wesentliche Säulen des Rahmenprogramms der diesjährigen JavaLand. Wir interviewten den passionierten Fahrrad-Fan.

Hallo Marcus! Für die, die noch nie von der JavaLand und dir gehört haben sollten: Welche Rolle nimmst du auf diesem Leuchtturm-Event der Java-Community ein?

Hallo Marcos! Um bei der Realisierung der JavaLand zu unterstützen, engagiere ich mich an verschiedenen Stellen. Seit einigen Jahren bin ich Mitglied im Programmkomitee und Teil der tollen Truppe, die jedes Jahr hunderte von Einreichungen sichtet, um daraus ein abwechslungsreiches Programm zusammenzustellen. Was gar nicht so einfach ist bei den vielen interessanten Einreichungen. Am liebsten würde ich immer alle auswählen! 

Zusätzlich übernehme ich ab diesem Jahr die Organisation des JavaLand Studios, mit dem wir während der JavaLand die Vortragspausen mit tollen Aktionen füllen werden. Schließlich steuere ich als Vertreter der Java User Group Switzerland noch ein Community Event bei: Bei der JavaLand Sternfahrt geht es darum, möglichst viele Teilnehmer zur gemeinsamen Anreise mit dem Fahrrad zu bewegen.

So bin ich quasi das ganze Jahr über auf irgendeine Weise an der JavaLand beteiligt. Es macht einfach Spaß, gemeinsam mit den tollen Kolleginnen und Kollegen aus der Community so ein Event zu organisieren!

...ein Event, das bisher im Phantasialand stattgefunden hat und bei der Community dort verankert war. Nun wird die Jubiläumsausgabe der JavaLand auf dem Nürburgring stattfinden. Wenn ich dir den Satz in den Mund legen würde, “denke ich an den Nürburgring, dann…”, wie würdest du ihn fortführen?

Denke ich an den Nürburgring, dann denke ich mittlerweile an die JavaLand. Weil wir die JavaLand am Nürburgring schon seit Monaten planen, hat sich diese Verbindung tief in mein Hirn gegraben. Und ich freue mich wie ein kleines Kind darauf, im April 2024 alles in der Realität zu sehen und erkunden zu können. Ich war vorher noch nie am Nürburgring und habe viel Zeit zum Entdecken der ganzen neuen Attraktionen eingeplant. Aber ich habe auch Bammel, wenn ich an den Nürburgring denke. Er liegt in der Eifel und die Anreise mit einem Fahrrad voller Gepäck wird sicher eine große Herausforderung.

Was ist in dem Gepäck eines Teilnehmers, der Mitglied des Programmkomitees ist und auf seinem Zweirad anreist? Wie bereitest du dich auf diese Tour und das Jubiläum vor?

Da ich mit dem Fahrrad anreise, habe ich neben dem üblichen Reisekram nur begrenzt Kapazität für Gepäck. Aber das Notebook gehört dazu, ohne geht gar nicht. Ich brauche es einerseits für die Studio-Planung und dann gibt es ja auch hochinteressante Community-Aktivitäten, wie zum Beispiel den Hackergarten, die mit einem eigenen Notebook einfach viel mehr Spaß bringen. Außerdem gehören noch ganz viele Aufkleber in mein Gepäck, von der Java User Group Switzerland sowie auch ganz tolle Sternfahrt-Aufkleber mit einem Fahrrad-Duke, die jeder bei mir bekommen kann. Einfach nachfragen! Und was auf gar keinen Fall vergessen werden darf: Ganz viel Neugierde und gute Laune müssen auch noch mit ins Gepäck! Mehr braucht es nicht. Alles andere hat es bei der JavaLand!

Apropos "Alles andere": Was interessiert dich ganz besonders auf der JavaLand?

An erster Stelle stehen bei mir die Community-Aktivitäten, erst danach kommen die Vorträge. Gerade bei den Aktivitäten, die von den ganzen Java User Groups beigesteuert werden, gibt es so viele interessante Sachen und Möglichkeiten, Neues aktiv zu entdecken und richtige Freundschaften zu knüpfen.

Für dieses Jahr ist das Community-Programm noch im Aufbau. Aber das, was ich schon gesehen habe – der Prozess läuft für alle transparent über GitHub –, macht mich schon sehr neugierig. Da ist zum Beispiel von Karl Heinz Marbaise eine Aktivität darüber, wie einfach es ist, etwas zu einem Open-Source-Projekt beizutragen und welche Möglichkeiten es dafür gibt. Das passt auch sehr gut zum Hackergarten, bei dem man gemeinsam genau das machen kann: Einen Beitrag zu Open Source leisten und dabei gemeinsam etwas erarbeiten, erfahren, erlernen, erreichen. 

Mit den Vorträgen wird es jedes Jahr schwieriger. Es gibt einfach so viele zur Auswahl. Da fällt die Entscheidung nicht leicht. Dieses Jahr möchte ich mich wieder etwas mehr auf Core Java konzentrieren, sozusagen “back to the roots”. Die Entwicklung geht in den letzten Jahren so rasant vorwärts, da bringt es wieder richtig Spaß, mit Java zu arbeiten. Es fühlt sich so viel moderner an. Ganz oben stehen bei mir dieses Mal virtuelle Threads (Christian Schuster am Dienstag, 09.04. um 14 Uhr), String Templates (Falk Sippach am Dienstag, 09.04. um 12 Uhr), wie Strings unter der Haube funktionieren (Bernd Müller am Dienstag, 09.04. um 17 Uhr) und mit Pattern Matching muss ich mich auch mehr auseinander setzen (Cay Horstmann am Mittwoch, 10.04. um 15 Uhr). Was ich auch auf gar keinen Fall verpassen möchte, ist der Blick in die Zukunft mit einer Einführung in Quantencomputer-Programmierung (Walery Strauch am Dienstag, 09.04. um 15 Uhr).

Wechseln wir noch einmal den Blick: In diesem Winter konnten wir einigermaßen aufatmen, die (Arbeits-)Welt war nicht mehr im 'COVID-Würgegriff'. Was hat sich deiner Meinung nach durch die Pandemie in der Java-Welt zum Guten geändert?

Während der Pandemie habe ich als Scrum Master für eine Krankenversicherung gearbeitet. Da ging es uns ziemlich gut, wir waren nicht wie so viele andere von Kurzarbeit betroffen und mussten auch keine Angst um unseren Job haben. Wenn es aber etwas Gutes gibt, das auch nach Corona geblieben ist, so ist das die verbesserte Work-Life-Balance. Schon schräg, dass es dafür erst eine Pandemie brauchte. Wie so viele große Unternehmen waren wir bezüglich Homeoffice eher konservativ aufgestellt und die Arbeit von zuhause oft nur eine Ausnahme. Das Homeoffice während der Corona-Zeiten hat viele ehemalige Skeptiker überzeugt und heute gehört es zum normalen Arbeitsalltag einfach dazu. Die gewonnene Flexibilität und wegfallende Pendelzeiten verbessern die Work-Life-Balance enorm. Insgesamt muss ich sagen, dass uns die Pandemie selbst einen großen Schritt vorwärts gebracht hat – und teilweise auch wieder etwas zurück, auf den Boden der Tatsachen: Wir Menschen können nicht alles kontrollieren.

Zum Abschluss verrate uns bitte noch, mit welchem Blog bzw. welchen Medien du bei Java und dem damit verbundenen Ökosystem bzw. den relevanten Themen auf dem Laufenden bleibst?

Früher war ich bei Twitter/X unterwegs, aber dort habe ich mich schon seit über einem Jahr nicht mehr eingeloggt. Das wurde von Mastodon abgelöst, dort findet man jede und jeden mit Rang und Namen aus dem Java-Umfeld und sonst auch alle Community Member und Communities selbst. Das ist meine Hauptquelle für alle meine Informationen, Links, Blogbeiträge, News etc. 

Ich folge mehreren Dutzend Personen aus der Java Bubble und bleibe so immer informiert. Es gibt übrigens eine tolle Webseite zur Java Bubble mit einem umfangreichen Verzeichnis mit hunderten Namen und wo man die dazugehörigen Profile in den verschiedenen Netzwerken finden kann. Das ist sehr hilfreich, um sich einen informativen Feed maßzuschneidern. Selbstredend ist auch die JavaLand selbst auf Mastodon vertreten! Für brandaktuelle Updates zur Konferenz auf jeden Fall sofort folgen! Ganz wichtig ist für mich auch die Zeitschrift Java aktuell. Alle zwei Monate gibt es eine tolle Auswahl von Artikeln, die allesamt der Community entspringen. Also nicht von professionellen Autoren, sondern von Leuten, die wissen, worüber sie schreiben. Meine tägliche Arbeit verrichte ich mit Linux, also gehört für mich auch ein täglicher Besuch von LinuxNews dazu und für generelle technische News schaue ich gerne bei Golem vorbei.

Vielen Dank für das Interview, Marcus!
 

© Marcus Fihlon