"Ich freue mich auf den fachlichen Austausch und das Treffen mit vielen Bekannten" – Interview mit Stefan Toth

  • Erstellt von Christian Luda
  • iJUG, Javaland, Java

Stefan Toth ist einer der Top-Speaker der JavaLand 2024. Anlässlich der anstehenden Konferenz haben wir uns mit dem Experten für Softwarearchitektur unterhalten.

Stefan, wann und wie hast du deine Leidenschaft für die IT entdeckt?

Ich habe in der Schulzeit angefangen, an alten Arbeits-PCs von meinem Vater rumzuschrauben, und in einem Freifach habe ich gemeinsam mit Freunden ein Spiel in Turbo Pascal geschrieben. Das wurde so gut, dass uns die Lehrkraft nicht geglaubt hat, dass wir das selber geschrieben haben. Wir mussten jede Codezeile erklären. Ab da war zumindest die Möglichkeit im Raum, auch beruflich in die Richtung zu gehen. Bei der Studienwahl war ich mir lange nicht sicher, aber Informatik hatte einfach zu viel Reiz.

Du bist u.a. Experte für die Verbindung von Architektur und Agilität in Softwareprojekten. Was fasziniert dich daran besonders?

Ich bin in klassischen Großprojekten bei Siemens groß geworden. Lagerhaltungssysteme, Zugleitsysteme, Tunnel-Systeme usw. Nach und nach bin ich in die Architekturrolle reingewachsen, hatte parallel aber im "Support Center für Objekt-Technologie" die Freiheit, mich mit neuen methodischen Ansätzen und Agilität zu beschäftigen. Als ich von Siemens in die Beratung wechselte, haben mich Start-Ups und wirklich agile Kontexte hart getroffen. Diese Energie und Motivation der Entwickler*innen und der Fokus auf den Output waren beeindruckend. Ab da habe ich noch stärker versucht, Architekturmethoden so zu denken, dass sie in dynamischen Umfeldern funktionieren. Ja vielleicht sogar die Dynamik über einen längeren Zeitraum erhalten. Ich mag es, konzeptionell und technisch über Systeme nachzudenken, das aber nicht verkopft zu tun und immer Bodenkontakt zu wahren.

Als Berater bist du sowohl für Start-ups als auch für Großkonzerne tätig. Wo liegen dabei die größten Unterschiede?

Die Unterschiede sind schon zwischen unterschiedlichen Großkonzernen gewaltig. Natürlich ist in Großkonzernen aber generell mehr Historie da. Große Anwendungslandschaften, viel Legacy. Der Umgang damit hat viele Unternehmen vorsichtig gemacht, Probleme haben Prozesse und Regeln zur Folge. In vielen Großkonzernen ist die IT auch nur ein Teil des Ganzen, wird eher als Kostenstelle und weniger als die Quelle von Wettbewerbsvorteil gesehen. Das alles bedeutet, dass es in Start-Ups oft "freier" zugeht. Sowohl was die Arbeitsweise betrifft als auch vom Systemdesign her. Die Fragestellungen sind also oft unterschiedlich, auch wenn es im Einzelfall ganz anders kommen kann. Mich reizt die pure technische, konzeptionelle Herausforderung in Start-Ups, die methodische Reife, die wir dort entwickeln können, mich reizt es aber auch die typischen Hürden in Konzernen zu überwinden, wenn es um Veränderung und Dynamik geht.

Wie bist du erstmals auf die JavaLand aufmerksam geworden und was verbindest du mit der JavaLand?

Ich kann mich an die erste Ankündigung erinnern und fand die Tatsache, eine Konferenz in einem Vergnügungspark abzuhalten zuerst seltsam. Das hat sich relativ schnell geändert, ich habe über die Jahre von allen Seiten Positives zu der Konferenz gehört. Für mich ist die JavaLand eine große und wichtige Konferenz, die die technischen Wurzeln noch immer gut nach vorne stellt.

Auf der diesjährigen JavaLand hältst du den Vortrag “Leichtgewichtige Software-Reviews 2.0”. Worauf können sich die Teilnehmenden dabei freuen und an wen richtet sich dein Vortrag insbesondere?

Seit 16 Jahren bin ich in Architektur-Reviews involviert, habe selbst über 100 Systeme einem Review oder einer Bewertung unterzogen. Was ich mit Bestimmtheit sagen kann, ist, dass jedes Review anders ist. Andere Einflüsse, andere Lösung, andere Beteiligte und Situationen, eine andere Erwartung an das Review selbst. Diese Varianz macht es schwierig, methodisches Wissen einfach weiterzugeben, insbesondere weil die Knackpunkte eines erfolgreichen Reviews in bekannten Methoden oft zu wenig zentral beschrieben sind. In dieser Session werde ich eine schlanke Methode für Reviews vorstellen, die wenige Beteiligte bindet, auf das Wesentliche fokussiert und viel Unterstützungsmaterial für die eigene Anwendung mitbringt. Dabei entsteht sehr schnell ein erstes Review-Ergebnis. Das ist ungemein viel wert, weil die gerade erwähnte Varianz von Reviews in der iterativen Verbesserung des initialen Ergebnisses stecken kann – und nicht in einer vorangegangenen Anpassung einer Methode, die man ggf. noch nie angewendet hat. Teilnehmer*innen erwartet eine kurzweilige Session, in der ich Kernaspekte der Methode zeige. Das Publikum kann ein bekanntes System teilweise live mit bewerten. Der Vortrag richtet sich an alle, die an guter Software und Softwarearchitektur interessiert sind. Potentiell auch nicht-technische Rollen.

Die JavaLand findet in diesem Jahr erstmals am Nürburgring statt. Kennst du die Location bereits? Welche Erwartungen hast du an den neuen Austragungsort?

Den Nürburgring kenne ich nur aus dem Fernsehen, war selbst noch nie dort. Ich bin gespannt was uns dort erwartet, freue mich aber irgendwie auf das Motorsport-Mekka.

Worauf freust du dich bei der JavaLand am meisten?

Auf den fachlichen Austausch und das Treffen mit vielen Bekannten, seien es Sprecher*innen oder Leute, die ich aus Projekten kenne. Früher waren Konferenzen für mich nur Ansammlungen von Talks, heute sind es oft Klassentreffen in einer fachlich sehr wertvollen Atmosphäre. Die JavaLand wird da sicher nicht enttäuschen.

Stefan, vielen Dank für das Gespräch.