"In meinem Beruf hat Erfolg nicht unbedingt mit physischer Stärke zu tun, sondern mit Visionen," verrät Alexander Huber in seiner Keynote. Auf der DOAG 2013 Applications entführt er die zirka 280 Besucher für eine Stunde weit weg vom Alltag, vom Finanzwesen, Projekt- oder Kundenmanagement. Für eine Stunde befinden wir uns auch Meilen entfernt von den Oracle-Businesslösungen. Alexander Huber erzählt von seiner Leidenschaft, dem Bergsteigen. "Wenn man oben ist, verliert man den Bezug zur Erdoberfläche. Man ist komplett losgelöst von dieser Erde."
Wer denkt, dass dieser Vortrag wenig mit Business und IT zu tun hat, täuscht sich. Natürlich zeigt Huber atemberaubende Landschaften von bestiegenen Gipfeln. Er gibt sogar eine kurze Einführung in die Geschichte des Alpinismus. Aber letztendlich geht es vorrangig um was anderes: Um Willen, um das Erreichen von Zielen, um Visionen und Strategien, Team-Arbeit und Planung.
Besonders deutlich wird es in seinen Erzählungen zur Kletterroute "The Nose", einer etwa 1000 Meter lange Kletterroute am El Capitan im Yosemite-Tal in Kalifornien (USA). Als er und sein Bruder Thomas sich für das erste Mal an die Route herantrauten, schafften sie diese in zirka 12 Stunden. Für die Durchsteigung der Wand lag der Rekord bei weniger als drei Stunden. Das Ziel, diesen Rekord zu knacken, schien außer Reichweite zu sein.
Doch die Brüder probierten es nochmal und nochmal. Sie überdachten ihre Strategie, optimierten ihre Ausrüstung, schrieben jeden Schritt, jeden Griff in der 1000-Meter langen Wand auf. Sie verinnerlichten die Route, bis jede Bewegung, jede Absprache selbstverständlich geworden war. Den Rekord knackten die Huberbuam – weil sie es so stark wollten. Sie brauchten dafür 2 Stunden 45 Minuten und 45 Sekunden.
Dass auch IT- und Business-Projekte viel mit Willen zu tun haben, zeigt auch Partrick Ott. Der Executive Manager von Amway beschreibt die Einführung der E-Business Suite in 31 europäischen Ländern. "So schön wie Alexander Huber hätte man es nicht besser zum Ausdruck bringen können", betont Ott. "Um etwas zu erreichen, reicht Wissen allein nicht. Man muss es wollen."

Das musste das Unternehmen am eigenen Leibe erfahren: Amway hatte bereits 2009 versucht, das ERP-System in Australien zu implementieren. Das Projekt scheiterte. "War Oracle schuld daran? Nein!", betont Ott.
2011 wurde das Projekt neu aufgesetzt. Aus seinen Fehlern hat Amway gelernt. "Ich kann Ihnen nicht sagen, wie man es macht. Ich kann Ihnen allerdings sagen, wie man es nicht macht", meint der Manager am Anfang seines Vortrags. "Diesmal haben wir zum Beispiel zum großen Teil auf kundenspezifische Anpassungen verzichtet", erklärt er.
Ott, der vor diesem Projekt keinen IT-Hintergrund hatte, erzählt von seinen Anfängen: "Ich saß im ersten Meeting und habe kein Wort verstanden". Es war also notwendig, eine Ebene zu finden, auf der sich alle Projektbeteiligten verstehen. "Selbst, wenn alle die gleiche Sprache sprechen, heißt es nicht, dass alle miteinander reden." Deswegen wurde viel in Kommunikation investiert. "Vertrauen ist die Währung, mit der wir ein Projekt erfolgreich umsetzen", betont der Manager.
Aus diesem komplexen IT-Projekt hat er mit seinem Team zusammen ein strategisches Business-Projekt gemacht. Er sprach darüber, das globale Business zu ändern, neue Geschäftsprozesse einzuführen. Es ging darüber hinaus um Standardisierung und Automatisierung. "Keiner will ein ERP-System haben. Aus einem negativ besetzten Thema haben wir ein cooles Projekt mit Prio eins gemacht". Ein Projekt, das alle wollen.
Was man mit einem starken Willen bewegen kann, zeigt auch Hakan Yüksel in seiner Keynote. Der neue Applications Leader für Deutschland lässt seine Begeisterung für den neulich ergatterten Sieg des Teams Oracle USA bei der bekannten Segel-Regatta America’s Cup vollen Lauf. Einen Rückstand von 1:8 hat das Team in einen 9:8-Sieg verwandelt. Bezogen auf den Oracle-Applicationsmarkt ist die Botschaft eine positive: Der ehemalige SAP-Manager gibt sich zuversichtlich, "dass Oracle eine gute Perspektive auf dem deutschsprachigen Markt hat." Dieser Herausforderung will er sich gemeinsam mit seinem Team und den Oracle-Partnern stellen.
Der deutsche Applicationsmarkt verfügt über unausgeschöpftes Potential, betont Professor Gronau von der Universität Potsdam. Nach seinen Untersuchungen hat Oracle verglichen mit SAP und Microsoft noch deutlichen Nachholbedarf in puncto Sichtbarkeit.
An der Qualität der Software läge die geringe Marktpräsenz von Oracle nicht, sagt er. "Bei den Anwendern ist das Ausmaß an Lob erstaunlich hoch", unterstreicht Gronau. "Es gibt natürlich auch Wunschlisten, aber alles in allem herrscht eine hohe Zufriedenheit."
Laut dem Professor habe Oracle im deutschen Applicationsmarkt eine Herausforderer-Rolle. Es ginge nun darum, sich am Bedarf der Kunden zu orientieren. "Ganz unbedeutend ist Deutschland ganz sicher nicht. Das Potential ist da. Nicht zu handeln, halte ich für schädlich. Betriebswirtschaftlich gesehen ist es für mich nicht nachvollziehbar, warum man sich das Geld entgehen lässt", sagt Gronau.


