Nach wie vor gibt es drei Modelle: eine X10-S, eine X10-L und eine X10-HA. Was direkt auffällt, ist der Wegfall der "2" in der Modellbezeichnung. Diese 2 stand für die Anzahl der Sockel. Die neuen Maschinen haben nur noch einen Sockel, der mit einem AMD EPYC (R) Prozessor bestückt ist anstatt wie bisher mit Intel CPUs. Oracle vollzieht damit wie zu erwarten denselben Schritt wie schon im Juni bei der Vorstellung der neuen Exadata- Generation.
Neue Prozessoren von AMD
Der Wechsel des CPU-Lieferanten klingt im ersten Moment recht banal, hat aber immense Auswirkungen auf die Lizenzierung. Für die Enterprise Edition der Oracle-Datenbank ändert sich nichts, hier wird weiterhin eine bestimmte Menge an CPU-Cores entsprechende dem Core-Faktor (in diesem Fall 0,5) lizensiert, diese Anzahl wird dann mit dem ODA-Framework gezielt eingestellt und man ist auf der sicheren Seite. Die Standard Edition 2 (SE2) wird jedoch basierend auf der Anzahl der verbauten CPU-Sockel lizensiert. Nun könnte man sich freuen, denn die neue ODA-Generation hat nach wie vor 2 Sockel pro Server verbaut, von denen je nach Modell einer oder beide bestückt sind. Der Teufel steckt aber im Detail. Dem ist leider mitnichten so. Denn die AMD-Prozessoren bestehen nicht nur aus einem einzigen Stückchen Silizium, auf dem alle Rechnerkerne, Caches usw. untergebracht sind, wie das bei Intel-Xeon-Prozessoren der Fall ist, sondern die Prozessoren werden aus mehreren Chips zusammengesetzt. Der verbaute Prozessor besteht aus einem I/O-Chip und 4 Prozessor-Chips mit je 8 Kernen. Oracle zählt nac heutigem Stand diese 4 CPU-Chips als 4 Sockel. Diese Zählweise schließt einen Betrieb der ODAs mit der Standard Edition 2 völlig aus. Gerade dieses Lizenzierungsmodell war aber für viele Kunden die optimale Lösung aus Preis-/Leistungssicht.
Enterprise-Edition-Lizenz notwendig
Will man also die neue ODA-Generation einsetzen, muss man mindestens eine Enterprise Edition Lizenz zu ca. 43.500€ Listenpreis erwerben und darf damit 2 CPU-Cores aktivieren. Zum Vergleich, eine Standard Edition 2 Lizenz kostet Listenpreis ca. 16.000€ und erlaubt die Freischaltung aller CPU-Cores, lediglich pro Datenbankinstanz wird die Anzahl der aktiven Sessions auf 16 beschränkt. Die Kosten werden also mehr als verdoppelt und die CPU-Leistung um den Faktor 8 reduziert, wenn nur die Prozessorleistung betrachtet. Natürlich bringt die Enterprise Edition viele Features mit, die es in der Standard Edition gar nicht gibt. Das relativiert den Unterschied etwas, ändert aber nichts an den deutlich geringeren zur Verfügung stehenden CPU-Leistung.
Geringere Storage-Kapazität bei der ODA X10-L
Ein weitere beachtenswerte Änderung ist bei der ODA X10-L zu sehen. Zwar kommt dieses Modell nach wie vor mit 2 NVMe-SSDs zu je 6,8TB für den Datenbank-Storage daher, jedoch lässt sich das neue Modell nur noch auf bis zu 8 Disks erweitern. Damit sind nur noch maximal ca. 20TB nutzbarer Storage möglich, mit dem alten Modell waren es 31,5TB.
Trotzdem gibt es ein kleines Trostpflaster von Oracle, denn die alten X9-2 Modelle sind nach wie vor bestellbar. Die Support-Policy sieht vor, dass die Hardware und der ODA-Softwarestack darauf noch 5 Jahre nach der letzten Auslieferung unterstützt wird. Wer also einen Hardwarewechsel plant, bei der Standard Edition bleiben will und/oder mehr als 20TB Datenbankstorage auf einer Maschine benötigt, hat derzeit noch die Möglichkeit, die alten Modelle zu ordern und sich damit zumindest 5 Jahre Planungssicherheit zu verschaffen.
Unabhängig davon bleibt zu hoffen, dass Oracle sich für das Lizenzierungsthema eine Lösung einfallen lässt, die etwas mehr Kundenorientierung zeigt, als es aktuell der Fall ist.
Detaillierte Informationen finden sich im ODA-Blog und in den Datasheets für die ODA X10-S/L sowie ODA X10-HA.
Blog https://blogs.oracle.com/oda/post/oracle-database-appliance-x10
Datasheet X10-S/L https://www.oracle.com/a/ocom/docs/oda-x10-s-x10-l-datasheet.pdf
Datasheetl X10-HA https://www.oracle.com/a/ocom/docs/oda-x10-ha-datasheet.pdf
Marco Pachaly-Mischke


