Oliver, wann und wie hast du deine Leidenschaft für die IT entdeckt?
Oh, das war vor über 40 Jahren noch als Vorschulkind, als mir Funkgeräte auseinandernehmen und neu zusammenzubauen zu langweilig wurde. Damals hat es mir unglaublich viel Spaß gemacht, zum Beispiel zu entdecken, dass durch einen einzelnen hinzugefügten Befehl plötzlich ein Wort statt einmal unendlich oft ausgegeben wurde.
Kannst du dich noch erinnern, wie du zur DOAG gekommen bist?
Meine erste “Berührung” mit der DOAG war nach der Übernahme von Sun durch Oracle, als wir gemeinsam den iJUG e.V. gegründet haben. Unser erstes Zusammentreffen am 22. September 2009 in Frankfurt zum Kennenlernen habe ich noch gut in Erinnerung – noch besser allerdings die Weinprobe mit dem damaligen Vorstandsvorsitzenden Dr. Dietmar Neugebauer im Napa Valley in Kalifornien.
Mittlerweile bist du Mitglied des DOAG Vorstands. Wie waren deine ersten Monate als Vorstand und wo siehst du die wichtigsten Aufgaben der KI Community in den kommenden Jahren?
Ich weiß die harmonische – auch wenn wir uns je nach Thema auch challengen – und konstruktive Arbeitsweise des Vorstandes sehr zu schätzen und bin mit Freude an die Herausforderungen der neuen Community herangegangen. Insbesondere die Zusammenarbeit in der KI Community mit den rasch auch von mir gefundenen und besetzten Leitungskräften und dem sehr hilfreichen DOAG Office hat uns bereits in 2023 die ersten Erfolge gebracht. Wir haben erfolgreich die KI Navigator etabliert, eine breite Speaker-, Sponsor- und Interessierten-Basis aufgebaut und starten ins neue Jahr 2024 mit einer DOAG KI Community Kolumne in Zusammenarbeit mit Heise. Die Herausforderungen sind nun, darauf weiter aufzubauen und dieses neue KI-Thema der DOAG zu festigen.
Wie lautet dein Fazit zur Premiere der KI Navigator im November?
In Kurz: jederzeit wieder. Lang: Die KI Navigator, eine gemeinsame Veranstaltung von DOAG, de'ge'pol und Heise, erwies sich als äußerst erfolgreich mit rund 500 Teilnehmern in Nürnberg. Im Fokus stand die praktische Anwendung von Künstlicher Intelligenz in den Bereichen IT, Wirtschaft und Gesellschaft. Die Verbindung dieser Schwerpunkte und die Vorstellung praxisnaher Use Cases stießen auf großes Interesse. Die Konferenz brachte erfolgreich Experten aus verschiedenen Bereichen zusammen und ermöglichte so einen umfassenden Blick auf die Auswirkungen und Potenziale von KI. Sascha Lobo trug mit seiner Keynote zum positiven Start bei, indem er von anfänglichen Ängsten vor KI zu einem Verständnis von KI als hilfreiches Werkzeug überging. Das KI Lab mit Hands-On-Ständen erwies sich als besonders attraktiv und die hohe Teilnehmerzahl zeugte von einem starken Interesse an konkreten Einblicken und Anwendungen. Podiumsdiskussionen betonten die Notwendigkeit konkreter Lösungen unter Berücksichtigung von Risiken und ethischen Fragen. Die Konferenz legte einen starken Fokus darauf, KI nicht nur theoretisch zu diskutieren, sondern auch praktisch erlebbar zu machen. Insgesamt etablierte sich die KI Navigator als herausragende Plattform für den praxisorientierten Austausch über Künstliche Intelligenz, indem sie Teilnehmer für Chancen und Herausforderungen sensibilisierte und den Weg für eine erfolgreiche Integration in die Praxis ebnete. Daher auch an dieser Stelle großen Dank an alle bei der Organisation beteiligten – wir sind eine tolle Community.
Wo siehst du im Zusammenhang mit KI in den nächsten Jahren die größten Herausforderungen für unsere Gesellschaft? Und wo die größten Chancen?
Ich denke, gerade die Herausforderungen sind gar nicht technischer Natur, sondern Selbsterkenntnis. Durch den Fortschritt von KI lernen wir viel darüber, wie wir selbst denken und entscheiden. Bei KI wird häufig verlangt, genau nachvollziehen zu können, warum sie eine Entscheidung getroffen hat. Aber was würde es uns helfen, zu wissen welche Neuronen hier “gefeuert oder nicht gefeuert” haben. Ähnlich bei uns selbst. Ich finde stets Begründungen, warum ich jetzt Schokolade brauche – aber ist das wirklich der Grund? Ich denke wir müssen uns mehr darauf konzentrieren, nachvollziehen zu können, auf welchen Daten Entscheidungen basieren, und ebenso akzeptieren, dass auch eine KI “menschliche Fehler” macht. Es sind keine deterministischen Algorithmen mehr, die wir hier betrachten. Auch eine KI kann falsche Ergebnisse produzieren. Dabei gilt es zu betrachten, ob die Erfolgsquote gut genug ist, mit welchem Mitteln man diese prüfen und verbessern kann und ob nicht in der Gesamtbetrachtung die Ergebnisse einen positiven Beitrag schaffen. Zuletzt bleibt eventuell noch die Frage, inwieweit dies sogar Versicherungen absichern. Was vermutlich dann kein Problem darstellen wird, wenn das Risiko geringer ist als beim “menschlichen Faktor”. Vielleicht landen wir bei Szenarien, wo der Versicherungsschutz sogar höher wird, wenn es keine KI-basierte Lösung ist. Unsere größte Herausforderung als Gesellschaft wird es sein, dies zu verstehen, statt einfach nach kontraproduktiver Regulierung zu rufen, um dann gemeinsam hilfreiche und der Gesellschaft gewinnbringende KI-Lösungen zu etablieren.
Findest du neben deinem Beruf und deinem Engagement in mehreren User Groups noch Zeit für Hobbys abseits der IT? Was machst du am liebsten in deiner Freizeit?
Ich schreibe Romane und verbringe am liebsten Zeit mit meinen Huskies. In der Nacht bleibt dann noch Zeit zum Programmieren – oder für Gespräche mit KIs.
Vielen Dank für das Gespräch, Oliver.
Interview mit DOAG Vorstand KI Oliver Szymanski
Oliver Szymanski ist seit April 2023 DOAG Vorstand KI und Leiter der neuen KI Community, die im November mit der neuen Konferenz KI Navigator gleich ein Ausrufezeichen gesetzt hat.


