Am 29. und 30. April fand das zweite DOAG DevCamp in der Frankfurter Jahrhunderthalle statt. Entlang des Mottos Upcycling Software führten die Teilnehmer zwei Tage lang eine so offene wie rege Diskussion über die aktuellen Herausforderungen der Software-Entwicklung. Das Format fand bei den Anwesenden erneut eine hervorragende Resonanz.
Was das DOAG DevCamp ausmacht, ist das Unvorhergesehene: Stuhlkreise, Jeans und T-Shirt statt Anzug. Keine Anforderungslisten, vielmehr Wunschlisten. Viele Fragen und kein Anspruch auf Antworten. "Ich hatte schon lange nicht mehr so offen über Themen gesprochen, die mich interessieren. Ich habe von den anderen Teilnehmern sehr viel mitgenommen", bringt es ein Barcamp-Neuling auf den Punkt.

Von technischen Themen über fast philosophische Gespräche zur Zukunft der Software-Entwicklung bis hin zu provokativen Fragestellungen wie "Schluss mit make, jetzt aber buy" oder "sind meine Technologien und Mitarbeiter inkompatibel" bis hin zu ketzerischen Sessions über das Bauen von Wegwerfsoftware – die rund 50 Teilnehmer vom zweiten DevCamp würfeln am frühen Vormittag ein buntes Programm zusammen, in dem sich jeder wiederfindet. Zwei Tage lang richten sie ein Auge auf die ungeschmückte Realität der Software-Entwicklung, während das andere Auge einen träumerischen Blick in die Glaskugel wagt.
"Was würdet ihr machen?"
Man unterhält sich über Visionen, Strategien, über Hypes. Man qualifiziert eine IT, die sich weg vom Mainframe zugunsten vom PC entwickelt hat und nach einem Zwischenstopp beim Web sich mit großen Schritten auf den Weg zum "Cloud-Client" macht. Man tauscht sich über die Auswirkungen dieses Wandels aus. Man bespricht Möglichkeiten der Kalkulation von IT-Projekten, Migrationen. Man redet über Standardisierung und Dokumentation. Man berichtet von seinen katastrophalen Projekten, in denen "alles schief" gelaufen ist, und holt sich die Meinung von anderen: "Was würdet ihr machen?", "was denkt ihr?" – lauten oft gestellte Fragen. Man brainstormt im Anschluss sogar über die Sachen, die man sich von Oracle oder von der Community wünscht. "Ich bin froh, ein langes Wochenende zu haben, um das alles zu verdauen", sagt ein Teilnehmer am Ende der Veranstaltung.
Ein deutliches Plus im Vergleich zum Vorjahr sind die zwei Impulskeynotes, die die Teilnehmer auf die Veranstaltung einstimmen. Auch da sind die Referenten nicht nur Teilgeber: Sie nehmen im Anschluss an Sessions teil und hören sich die Vorschläge der anderen Anwesenden an.
Modernisierungen bei der BA
Dr. Heinrich Leitner, Leiter der IT-Strategie von der Bundesagentur für Arbeit (BA), berichtet von den Vorhaben der Organisation. "Die Behörde macht im Jahr einen Umsatz von 100 Milliarden Euro – das ist mehr als der Staatshaushalt von Belgien", betont Leitner. Bei einer beeindruckenden Infrastruktur mit drei hochverfügbaren zentralen Rechenzentren und 1.900 angebundenen Liegenschaften sowie 170.000 vernetzten PCs, die monatlich 31 Millionen E-Mail (2.500 GByte) generieren, ist es nicht ganz einfach, einen Modernisierungsprozess in Gang zu setzen. Die BA hat eine extrem heterogene Landschaft. Im Service Center, zum Beispiel, müssen die Mitarbeiter zwischen 13 und 16 Anwendungen nutzen – einige davon seien sogar komplexe Expertensysteme. Deswegen wurde nicht nur eine Strategie bis 2020 verabschiedet, parallel dazu hat das Management der BA ein Umsetzungsprogramm. Bisher habe die BA alles geschafft, was sie sich vorgenommen habe. "Viele machen den Fehler, vom IST auszugehen und dann das SOLL zu machen. Andersrum wird ein Schuh daraus: Die IT-Landschaft ändert sich zu schnell. Sie sind langsamer als Ihr Geschäft."
Umstieg auf ADF bei der IKB
Ganz andere Aspekte der Software-Entwicklung hebt Armin Wildenberg am zweiten Tag in einem Impulsvortrag mit Kabarett-Charakter über eine Forms-Ablösung durch ADF hervor. In seiner Erfolgsgeschichte zeigt der Manager, wie sich seine Mitarbeiter in ADF eingearbeitet haben. Zwei Kriterien kommen immer wieder zum Vorschein: Die menschliche Komponente sowie der Faktor Zeit. Die Geschichte des IT-Direktors der IKB Deutsche Industriebank fängt während der Bank-Krise an. Die IT fährt Sparkurs: Über drei Jahre hinweg werden 1,5 Millionen eingespart, die Entwicklungskapazitäten um 25 Prozent reduziert. Das übrig gebliebene Team will Wildenberg bei Laune halten. "Wisst ihr was, wir machen jeden Freitag nichts", sagt er zu seinen Mitarbeiter. Sie fangen an, sich weiterzubilden und mit ADF zu arbeiten.
Eine Pilotanwendung entsteht. Der Vertrieb sagt, er braucht eine Pipeline; sie entwickeln eine. 250 Personen nutzen die Anwendung. Ab da machen sie Neuanwendungen mit ADF und haben Erfolg – zumindest bis zur Datenbank-Migration auf 12c Mitte 2014. Die Vertriebspipeline funktioniert aufgrund eines Bugs in der Datenbank nicht mehr. Seitdem nervt ADF. Inzwischen hat sich die Bank erholt. Für Weiterbildung ist nicht mehr so viel Zeit da. "Das Wissen halbiert sich rasend schnell", bezeugt Wildenberg. Das Fazit des Managers: "ADF ist ein tolles Tool, aber Sie müssen es beherrschen.
Nach der Veranstaltung sammelt man in einer Feedbackrunde Eindrücke. "Die Leute, die da sind, sind genau die richtigen", sagt ein Teilnehmer. Zum guten Gelingen der Veranstaltung haben neben Teilnehmern und Teilgebern auch die Sponsoren esentri, Silbury, Opitz Consulting, Pitss, enpit, Sibvisions sowie Stattys beigetragen.


