Peopleware: Seinen Mitarbeitern die Arbeit ermöglichen

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Die dritte Auflage des Bestsellers Wien wartet auf dich! Produktive Projekte und Teams ist im Frühjahr beim Carl Hanser Verlag mit sechs neuen Kapiteln und überarbeiteten Texten erschienen. Ein gutes Geschenk für seinen Vorgesetzten – vorausgesetzt, dieser verfügt über den nötigen Humor.


Die dritte Auflage des Bestsellers 
Wien wartet auf dich! Produktive Projekte und Teams ist im Frühjahr beim Carl Hanser Verlag mit sechs neuen Kapiteln und überarbeiteten Texten erschienen. Ein gutes Geschenk für seinen Vorgesetzten – vorausgesetzt, dieser verfügt über den nötigen Humor.

 

Wien wartet auf dich - Tom DeMarco & Timothy ListerStellen Sie sich vor, der Erfolg von IT-Projekten würde gar nicht von etwaigen Systemspezifikationen und sonstigen Anforderungsdokumenten abhängen. Nein! Angenommen, das gute Gelingen von Projekten wäre rein (zwischen)-menschlicher Natur. Die Autoren und IT-Experten Tom DeMarco und Timothy Lister vertreten seit Jahren diese Ansicht. Sie haben ihren Ansatz mit dem Begriff "Peopleware" in dem (in der Originalfassung) gleichnamigen Buch zusammengefasst.

Mit gesundem Menschenverstand und flottem Schreibstil führen uns die zwei Autoren in 274 Seiten an die heutigen Herausforderungen heran. Abwechselnd sickern erbarmungslose Kritik, schneidende Ironie oder amüsante Anmerkungen durch ihre Feder durch – aber nie Defätismus.

Absurditäten des Berufslebens

DeMarco und Lister streifen die bekannten Absurditäten des Berufslebens an: die scheinbar willkürlichen Entscheidungen des Chefs, die unnötigen Meetings, die Unmengen an nichts sagenden E-Mails und die Großraumbüros, in denen die vielen Gespräche und unaufhörlich klingenden Telefone Gedanken übertönen, bevor diese sich entfalten können. Es ist die Rede von sinnlosen Richtlinien, vom Dienst nach Vorschrift, von der grundlegenden Abneigung gegenüber Neuerungen… In Wien wartet auf dich! Produktive Projekte und Teams sprudelt es nur vor Erfahrungen und Anekdoten, die die Experten seit den 70er Jahren im Rahmen ihrer internationalen Beratungstätigkeit gesammelt haben. Ein Déjà-vu fegt das andere.

Aber natürlich bleiben DeMarco und Lister nicht beim Status quo: Sie plädieren für ein Management, das die Menschen in den Mittelpunkt stellt. Die vielleicht wichtigste Aussage des Buches:

"Die Aufgabe eines Managers besteht nicht darin, seine Mitarbeiter zur Arbeit anzuhalten, sondern ihnen die Arbeit zu ermöglichen." Denn können die Mitarbeiter ihre Beschäftigung unter den bestmöglichen Bedingungen nachgehen, dann sind sie ideenreicher, motivierter und letztlich auch effizienter.

Parkinsons Gesetz

In ihren Ausführungen nehmen die IT-Spezialisten kein Blatt vor den Mund: Sie sprechen die Ängste und Macken von Managern unverschont an. Das Kapitel zu dem sogenannten "Parkisonschen Gesetz" ist ein Musterbeispiel dafür: Die Berater kritisieren die Denkweise vieler Manager, für die Projekte nur dann abgeschlossen werden, wenn absolut unhaltbare Liefertermine als Druckmittel genutzt werden. "Der Chef ist ein Parkinsonscher Roboter, der seine Mitarbeiter weder achtet noch sich um sie kümmert", kommentieren DeMarco und Lister das Verhalten. "Der Chef glaubt, dass sie ohne Druck absolut nichts arbeiten würden."

Von der Gestaltung des Arbeitsplatzes über die Bildung von Teams reißen die Experten alle Themen an, die einen Einfluss auf die Produktivität der Mitarbeiter haben. Kurze Weisheiten wie "Personen unter Zeitdruck arbeiten nicht besser; sie arbeiten nur schneller" oder "Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser" fassen die wichtigsten Aussagen kurz und bündig zusammen. Zur Veranschaulichung bringen die Autoren viele Beispiele aus ihrer langjährigen Erfahrung.

Beispiele für erfolgreiches Management

Diese zeigen auf wunderbarer Weise, wie erfolgreich Management abseits der konventionellen Wege sein kann. Ein Beispiel dafür ist das Veto-Recht, das manchen Projekt-Teams in japanischen Firmen wie Hitachi Software eingeräumt wird: Das Team kann die Auslieferungen von Produkten solange zurückhalten, bis diese den eigenen Qualitätsansprüchen erfüllen. Wer Qualität zum Kult macht, sogt für eine höhere Produktivität und niedrigere Mitarbeiterfluktuation, lautet die Botschaft der zwei Autoren.

Bezeichnend ist auch die Geschichte um die PDP-11-Rechner der Firma Digital Equipment Corporation. Das Projektteam führte ihre Arbeit insgeheim fort, obwohl das Management das Projekt gestoppt hatte. Die Rechner wurden später erfolgreich vermarktet.

Insgesamt ist Wien wartet auf dich! Produktive Projekte und Teams ein sehr informatives, kurzweiliges Buch, das den einen oder anderen in manchen Situationen zum Schmunzeln bringen wird. Obwohl es sich hauptsächlich an Führungskräfte im IT-Bereich richtet, ist die Lektüre jedem zu empfehlen, der vor Herausforderungen nicht schreckt.