Da ich zur selben Zeit ein Praktikum für meine kommenden Semesterferien suchte, schickte ich eine Initiativbewerbung. Und so erhielt ich einen Praktikumsplatz im Bereich "Business Process Management".
Grundlagen schaffen
Meine Aufgabe war es, ein Prozess-Modell für das "Advanced Supply Chain Planning" - Modul (ASCP) der E-Business Suite (EBS) von Oracle zu erarbeiten und als Horus Knowledge Base" bereitzustellen. Die Knowledge Bases sind eine Sammlung von vorgefertigten Modellen, die unter anderem den Consultants dabei helfen, die Prozesse eines Unternehmens leichter abzubilden. Da es für ASCP noch keinen dokumentierten Prozess in der Sammlung gab, fing ich komplett von vorne an.
Dank der umfangreichen Handbooks, dem Metalink, der Uni-Bibliothek Süd und meinen hilfsbereiten Kolleginnen und Kollegen lernte ich zunächst die Grundlagen der Oracle EBS kennen, darunter die Materialbedarfsplanung (Material Resource Planning – MRP), Stücklisten, Routings etc. Nebenbei habe ich die ersten Modelle grob erstellt. Die Zwischenergebnisse präsentierte ich regelmäßig meinen Vorgesetzten. Stück für Stück wuchsen die einzelnen Aktivitäten von der allgemeinen "Service–Sicht“ (Abbildung 1) bis runter auf die sogenannten "User Instructions". Diese beinhalten bereits die einzelnen Schritte innerhalb der Oracle Masken, wie Abbildung 2 zeigt.
Wie aus Daten Pläne werden
Der Prozess unterteilt sich zunächst in zwei sogenannte "Business Services": "Supply Chain – Data 2 Planning Data", der sich mit der Aufbereitung von Informationen beschäftigt sowie “Planning Data 2 Instructions“, in dem die eigentliche Planung auf Basis der aufbereiteten Supply Chain-Daten erfolgt.
Zunächst wird mit einer Datensammlung die Grundlage für die Planung gelegt. Je vielfältiger und genauer die Informationen sind, die in diesem Schritt eingespeist werden, also je präziser die Realität abgebildet wird, desto genauer sind die Planungsergebnisse. Hierbei werden bei Nicht-Oracle Systemen “Flat files“, vereinfachte Tabellen, als Schnittstelle für andere Applikationen und ERP-Systeme verwendet. Dieses Feature macht Oracle ASCP quasi mit jedem anderem System, das relevante Daten enthält, kompatibel. Ein kleiner Überblick über die verwendeten Informationen wird in Abbildung 3 dargestellt.
Sobald die Planungsdaten vorliegen, kann mit der Kalkulation begonnen werden. Als Planungsmethoden stehen Absatzplan (Master Distribution Schedule – MDS), Materialbedarfsplanung (MRP) und Produktionsplan (Master Production Plan - MPP) auch teilweise kombiniert zur Auswahl. Dazu bietet Oracle ASCP verschiedene Kalkulationsmethoden (siehe Abbildung 4), die passend zu jeder Ausgangssituation über vielfältige Optionen konfiguriert werden können. Bei der Auswahl der Pläne muss auch der Grad der Integration anderer ERP-Systeme berücksichtigt werden, da mit der Komplexität die Anforderungen an die Qualität der Daten steigen.
Die Planungsergebnisse werden daraufhin auf verschiedene Kriterien getestet, beispielsweise die sogenannten "Exceptions". Diese treten auf, sobald das System Handlungsbedarf seitens des Benutzers sieht. Darunter fallen etwa verschobene Lieferungen, überschrittene Kapazitäten und die Unterschreitung von Sicherheitsbeständen. Je nach Situation muss der Planer anders reagieren, Bestände vergrößern oder verkleinern, Kapazitäten erhöhen, verschobene Liefertermine dem Kunden mitteilen etc.
Anschließend besteht die Möglichkeit, auf Basis des Planungsergebnisses eine Simulation durchzuführen. Es hat sich bewährt, jeden Plan mit drei verschiedenen Ausgangsbedingungen zu berechnen: ein optimistisches, ein pessimistisches und ein realistisches Szenario. Die Ergebnisse werden anschließend verglichen, angepasst und - wenn gewünscht - erneut berechnet.
Wenn der Planer mit seinen Ergebnissen zufrieden ist, kann er diese mit ein paar Klicks an die entsprechenden Stellen weiterleiten und ausführen lassen.
Der Behauptung, dass Praktikanten primär für „niedere“ Arbeiten im Unternehmen eingesetzt werden, kann ich in diesem Fall nicht zustimmen. Herangehensweise und Ablauf meines Projekts konnte ich eigenverantwortlich bestimmen, wobei ich mich stets auf den Rat meiner Kolleginnen und Kollegen verlassen konnte. Gerade diese Freiheit in der Entscheidungsfindung und das kollegiale Verhalten empfand ich als sehr motivierend.
Die Arbeit hat mir sehr viel Spaß gemacht, und ich kann behaupten, dass das Praktikum mich fachlich sowie menschlich weitergebracht hat. Neben dem Wissen über die Oracle E-Business Suite und das ASCP-Modul lernte ich viel über den Arbeitsalltag in einem IT-Consulting-Unternehmen, was sich gerade im Hinblick auf meine Tätigkeit in der Studentischen Unternehmensberatung ponte e.V. als nützlich erweist.


