Er ist seit 18 Jahren Pilot und seit über 25 Jahren ITler: Uwe Küchler ist bestens mit beiden Welten vertraut. Auf der DOAG 2016 Konferenz + Ausstellung referiert der Managing Consultant der Opitz Consulting Deutschland GmbH über seine Überzeugung, dass sich die IT noch so einige Dinge von der Luftfahrt abschauen kann. DOAG Online sprach vorab mit dem Flugbegeisterten.
Herr Küchler, woher stammt Ihre Begeisterung fürs Fliegen?
Wie bei vielen war schon früh der typische Jungentraum da. So richtig "gefunkt" hat es allerdings, als ich mit 16 Jahren Verwandte in den USA besuchte, die auch geschäftlich ein Kleinflugzeug nutzten. In diesen Sommerferien war ich viel in der Luft und zu guter Letzt auch beim größten fliegerischen Ereignis der Welt in Oshkosh, Wisconsin, mit dabei. Ab da war klar: Ich möchte selbst fliegen können! In Deutschland darf man zwar schon ab 14 Jahren ein Segelflugzeug eigenverantwortlich steuern, aber ich wollte den Reiseflug mit Motor. Also musste ich noch eine ganze Weile warten, bis ich mir das Fliegen leisten konnte.
Wo sehen Sie die Parallelen im Alltag von Piloten und ITlern?
Auf den ersten Blick ist es vielleicht gar nicht so leicht, hier eine Verbindung zu erkennen. Mal salopp formuliert: Auch im IT-Betrieb versucht man ja, einen Haufen komplexer Technik nicht nur ohne Absturz, sondern auch möglichst sanft und verzögerungsfrei durch den Tag zu bringen (lacht). Auf der anderen Seite bemängelt schon manch ein Berufspilot, dass er mittlerweile mehr Administrator als Flieger sei – was bei der Durchdringung des Airliner-Cockpits mit IT auch nicht sehr verwunderlich ist.
Was lernt man denn beim Fliegen, was man auch als ITler im Berufsalltag anwenden kann?
Viele Firmen, insbesondere größere Organisationen, tun sich mit einem offenen Umgang mit Fehlern immer noch sehr schwer. Obwohl jeder Mensch einmal Fehler macht, gelten Fehler häufig noch als Makel, der lieber verschwiegen wird. Oftmals aus dem Grund, weil Führungskräfte auf Fehler mit Sanktionen reagieren. In der professionellen Luftfahrt gibt es hingegen Prozesse, in denen Fehler entweder offen oder – falls doch Sanktionen befürchtet werden – anonym angesprochen werden können. So hat die Gemeinschaft die Chance, aus Fehlern anderer Kollegen zu lernen und diese künftig zu vermeiden.
Wünschen Sie Ihren Kollegen manchmal ein paar Erfahrungen im Cockpit?
Eine schöne Frage! (lacht) Ein Wunsch gilt denen, die Angst vor Fehlern haben und daher alles minutiös durchplanen wollen: Wenn es beim Fliegen eine Gewissheit gibt, dann die, dass jede noch so redundante und robuste Technik fehlschlagen kann. Wir können zwar versuchen, Fehler weitestgehend zu vermeiden, aber die menschliche Leistung besteht vor allem darin, Fehler und Krisen so intelligent zu meistern, wie es Technik alleine eben nicht kann.
Wie schafft man es, in solchen Momenten einen kühlen Kopf zu bewahren? Im Gegensatz zur IT sind korrekte und schnelle Entscheidungen im Cockpit ja lebenswichtig.
Hier gilt sicher ganz unabhängig vom Berufsbild: Üben, üben, üben! Berufspiloten werden zwar vorab schon danach ausgewählt, dass sie eine psychische Robustheit mitbringen. Aber bei der Grundausbildung, wie auch in späteren, vorgeschriebenen Übungsflügen, wird die Auflösung kritischer Situationen gezielt geübt. Damit schafft man auch unter Stress abrufbare Handlungsabläufe.
Sind Piloten damit vielleicht auch die besseren ITler?
Das würde ich nicht behaupten wollen, dafür sind die IT-Berufe einfach zu vielschichtig. Allerdings sind bestimmte Qualifikationen oder Eigenschaften eines Piloten für einige Arbeitsfelder in der IT natürlich sehr hilfreich. Das betrifft nicht nur die Gabe, in Krisensituationen ruhig und bedächtig zu entscheiden, sondern auch die Fähigkeit, die eigenen Aktionen und Wünsche klar und präzise zu kommunizieren, aus einem Wust von Informationen und Reizen die wichtigen für sich herauszufiltern, und seine Grenzen zu kennen.


