Von Hunden und Katzen und der artgerechten Haltung von Techies

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Der ehemalige Professor für Mathematik und später Chief Technology Officer bei IBM, Gunter Dueck, hat während seines Berufslebens sowohl die Manager- als auch die Techie-Seite kennengelernt. Auf der DOAG 2015 Konferenz + Ausstellung philosophiert er in seiner Keynote über die „Artgerechte Haltung von Menschen“ über die menschlichen Unterschiede und wie man diesen in der Arbeitswelt begegnen kann.

Der ehemalige Professor für Mathematik und später Chief Technology Officer bei IBM, Gunter Dueck, hat während seines Berufslebens sowohl die Manager- als auch die Techie-Seite kennengelernt. Auf der DOAG 2015 Konferenz + Ausstellung philosophiert er in seiner Keynote über die „Artgerechte Haltung von Menschen“ über die menschlichen Unterschiede und wie man diesen in der Arbeitswelt begegnen kann.

Herr Dueck, warum reden Manager und Techies so oft aneinander vorbei?

Es gibt einen großen Kulturunterschied zwischen Managern und Informatikern: Die BWLer sind Anhänger von Methoden und Ansätzen, machen Brainstormings und gehen alles sehr methodisch an. Sie erstellen erst einmal eine Präsentation und einen Business Case, beantragen Kredite und erfüllen Formvorschriften. Informatikern dagegen ist diese ganze Planung und Vorbereitung zuwider. Kurz gesagt ist das Bewusstsein bei Informatikern eher auf dem Inhalt, während BWLer sich auf die Form konzentrieren.

In Ihrem Buch „Topothesie“ plädieren Sie für die „artgerechte Haltung von Menschen“. Wie sieht so eine „artgerechte Haltung“ denn aus?

Unter artgerechter Haltung verstehe ich, dass man sich als Chef bemüht, nicht seinen eigenen Managementstil raushängen zu lassen. Dass man also nicht sagt: „Bei mir ist das so!“, sondern dass ich jeden Mitarbeiter einzeln betrachte und mich frage, wie ich ihn vernünftig behandeln kann, sodass er gerne arbeitet. Dann sollte ich ihm natürlich auch Aufgaben geben, die er gerne macht. Wenn sie zum Beispiel jemanden im Team haben, den es nur interessiert, wann er nach Hause gehen kann und wie viele Vorgänge er abschließen muss, dann können Sie ihn nicht damit beauftragen, eine Vision für die nächsten zehn Jahre zu entwickeln. Das funktioniert nicht.

Wie sieht denn der ideale Manager aus?

Empirisch gesehen sind die meisten Führungskräfte vom Typ „Pacesetter“. Ähnlich wie ein Vierer mit Steuermann: Vier Leute rudern und einer ruft immer nur: „Schneller, schneller!“. Wenn man Konzerne nach ihrem Wunschtyp für den Manager-Posten befragt, antwortet aber mit hoher Wahrscheinlichkeit niemand „Pacesetter“ – stattdessen möchte man als Wunschtyp einen Manager, der als Vorbild fungiert, der die Mitarbeiter coacht und aus ihnen Begabungen herauskitzelt. Diese Eigenschaften haben aber etwas mit dem Inhalt zu tun, und die meisten Manager sind im Grunde nicht dazu fähig, weil sie zu sehr auf das Formale fixiert sind.

Woran kann man die Verschiedenartigkeit der Menschen festmachen?

Wir haben im Gehirn bestimmte Gegensätze. Zum einen gibt es extrovertierte und introvertierte Menschen. Aber davon abgesehen kann man noch eine weitere Unterscheidung treffen: Mittels MBTI-Test (Myers-Briggs-Type-Indicator) kann man feststellen, ob jemand linkshirndominant oder rechtshirndominant ist – was in etwa der Unterscheidung zwischen „Form“ und „Inhalt“ entspricht. In der rechten Hirnhälfte ist die Kreativität und das vernetzte Denken verankert, während die linke Hirnhälfte mehr wie ein PC funktioniert, samt Festplatte, also dem Gedächtnis, und einem Regelwerk über Dinge, die man tun bzw. nicht tun sollte. Grob gesagt kann man sich vorstellen, dass BWLer und Manager linkshirndominant sind, während die Informatiker hauptsächlich mit der anderen Gehirnhälfte arbeiten.

Wie kann man diesen Gegensätzen begegnen?

Die Statistik sagt, dass die Rechtshirndominanten nur 15 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Aber in der IT sind sie in der Mehrheit. Das führt häufig zu Problemen, weil die Manager vergessen oder nicht wissen, dass die IT eine Sonderform ist. Ich vergleiche Manager gerne mit Hunden: Sie fühlen sich in Meetings wohl, planen gerne und erstellen PowerPoint-Präsentationen. Informatiker ähneln dagegen Katzen: Sie sind hochkonzentriert und tüfteln gerne stundenlang, bis sie so plötzlich eine Idee haben, wie eine Katze eine Maus fängt. Oracle oder IBM sind beispielsweise Katzenreservate. Wenn Katzen plötzlich von Hunden gemanagt werden, sind Missverständnisse aber vorprogrammiert. Im Grunde muss man den Leuten also ein bisschen mehr Tierliebe beibringen.

Wo würden Sie sich denn einordnen, sind Sie eher Hund oder Katze?

Ich bin definitiv eine Katze!