Will Oracle HP schlucken?

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Dem Computerhersteller Hewlett-Packard (HP) ist angst und bange: Nachdem der Aktienkurs in diesem Jahr um 47 Prozent eingebrochen ist, herrscht in dem Konzern die Angst vor einer feindlichen Übernahme durch den Datenbankriesen Oracle. Das berichtet die US-Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf zwei Quellen. Deswegen hat HP die Investmentbank Goldman Sachs engagiert, um im Fall der Fälle eine Zerschlagung des Konzerns abzuwehren.

Der Rausschmiss vom Konzernchef Léo Apotheker am 22. September kommt in diesem Zusammenhang nicht von ungefähr: Als der deutsche Manager einen Wechselkurs und die Trennung von der PC-Sparte ankündigte, stürzte der Aktienkurs ab und der ehemalige SAP-Chef musste die Umsatzerwartung dreimal nach unten korrigieren. Auch durch den Kauf des britischen Software-Unternehmens Autonomy, den Investoren als zu teuer kritisierten, ist Apotheker in Ungnade geraten. Die Neuigkeit über den Kauf des Softwareunternehmens ließ die HP-Aktien um 20 Prozent sinken. Laut Angaben von Bloomberg hätte der Aufsichtsrat von HP den schnellen Führungswechsel vollzogen, weil eine Übernahme befürchtet wurde.
Das Ergebnis: HP ist billiger denn je und Oracle würde laut Angaben von Unternehmensnahen Kreisen gern zugreifen. Dabei hielten die Quellen ein offizielles Angebot von Oracle in nächster Zeit für unwahrscheinlich. Zum einen sind Mark Hurd, der rechten Hand von Larry Ellison und ehemaligem CEO von HP, erst mal die Hände gebunden. Eine Vereinbarung soll Hurd dazu verpflichten, bei der Erfüllung seiner Verpflichtungen gegenüber Oracle vertrauliche Informationen von HP zu schützen.  Zum anderen ist HP, dessen Wert derzeit auf 46,1  Milliarden US-Dollar geschätzt wird, selbst für Oracle nicht gerade günstig. Der Datenbankriese verfügt zwar über Geldreserven in Höhe von 31,7 Milliarden US-Dollar, aber ein Kauf von HP als Ganzes sollte für den Datenbank-Experten nicht in Frage kommen.

Sollte Oracle wirklich einen Versuch starten, HP zu kaufen, müsste sich HP auf eine Zerschlagung des Konzerns gefasst machen:  Weder die Computer- und Drucker-Sparte noch die IT-Services und die Server mit Windows-Betriebssystem interessieren Oracle. Bloomberg berichtet, dass der Konzern vielmehr an der Übernahme des Geschäfts Server, Storage und Netzwerk-Systeme interessiert wäre, wenn  es sie denn einzeln zu erwerben gäbe. Das Geschäft wird auf einen Wert von 18,7 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Am Rande der Kauf-Intrige mit HP veröffentlichte Oracle zwei Statements zu der Firma Autonomy, für die sich auch Oracle interessiert hatte. Nachdem Oracle in seinem letzten Quartalsbericht offen gelegt hatte, dass es ein Kaufangebot von Autonomy aufgrund des zu hohen Preises abgelehnt hatte, will Autonomy-Chef Mike Lynch nichts mehr davon wissen. Oracle kommentierte: "Entweder hat Herr Lynch ein sehr schlechtes Gedächtnis oder er lügt. Der Verkaufsbesuch von Lynch lässt sich leicht nachweisen. Wir haben noch seine Powerpoint-Folien." Um dies zu beweisen hat Oracle auf seiner Internetseite – die Unterseite trägt den Titel: “Please buy Autonomy“ – die Dokumentation der Verkaufsgespräche zur Verfügung gestellt.