Simon, du arbeitest seit 2003 mit Oracle APEX. Was war dein erster Eindruck der Plattform – und wie hat sich dieser über die Jahre verändert?
Ich werde nie vergessen, wie ich APEX zum ersten Mal gesehen habe – es war wirklich beeindruckend. Ich konnte kaum glauben, wie intuitiv es war und was ich damit so einfach bauen konnte. Wochenlang bin ich extra früh ins Büro gekommen, nur um vor Arbeitsbeginn in Ruhe mit APEX zu experimentieren. Diese Begeisterung hat sich bis heute kaum verändert. Auch jetzt sitze ich oft noch nachts dran, baue Apps und probiere neue Techniken aus. APEX entwickelt sich ständig weiter, aber sein Kern – leistungsstarke Einfachheit – ist geblieben.
Deine Keynote auf der APEX connect 2025 dreht sich um aktuelle Updates im APEX Product Management. Kannst du uns einen kleinen Ausblick geben?
Klar – es dreht sich alles um Künstliche Intelligenz. Sowohl Oracle als auch APEX setzen stark auf KI-gestützte Tools und Funktionen, um die Entwicklung und Nutzung von Apps zu verbessern. Bei APEX World hat Mike Hichwa bereits einen ersten Einblick in APEX Lang gegeben – eine neue domänenspezifische Sprache für Low-Code-Anwendungen. Ein echter Game-Changer: für CI/CD, für die Arbeit in VS Code und für das, was noch kommt. Die Vision ist, mit APEX Lang irgendwann komplexe Anwendungen direkt mit natürlicher Sprache zu erstellen. Noch steht das am Anfang, aber das Potenzial ist riesig – und wir bei APEX wollen da ganz vorne mit dabei sein.
Du hast eine große Migration von einer Private Cloud zu Oracle Cloud Infrastructure geleitet. Was waren die größten technischen oder organisatorischen Hürden?
Bevor ich zu Oracle kam, war ich Lösungsarchitekt bei einer großen britischen Jugendorganisation. Während der COVID-Lockdowns haben wir die Chance genutzt und auf Oracle Cloud Infrastructure migriert – ein guter Zeitpunkt, da Ausfallzeiten kaum auffielen. Als frühe Nutzer der Autonomous Database auf OCI haben wir ein paar typische „First-Gen“-Probleme erlebt. Zwei Dinge waren besonders herausfordernd: Erstens die Zeitzonenproblematik – eine Umgebung war auf Europe/London eingestellt, ATP lief auf UTC. Zweitens: ein passender Cloud-basierter Ersatz für unser BI Publisher-Setup vor Ort.
Das Zeitzonenthema hätte fast unsere Audit-Logs unbrauchbar gemacht. Wir haben das durch die Umstellung von SYSDATE auf CURRENT_DATE gelöst – das hat die Zeitstempel korrekt ausgerichtet. Für Reports haben wir APEX Office Print (AOP) von United Codes genutzt – das hat nicht nur funktioniert, sondern unsere Erwartungen übertroffen. Beide Herausforderungen sind mittlerweile in OCI adressiert: Die Datenbank-Zeitzone lässt sich konfigurieren, und Oracle Analytics Cloud (Classic) kann jetzt als Druckengine für BI-Publisher-Vorlagen in APEX verwendet werden.
Du hast über 30 produktive Anwendungen für den britischen Verteidigungsbereich unterstützt. Welche Rolle spielen Sicherheit und Skalierbarkeit bei der APEX-Entwicklung in so kritischen Bereichen?
Sicherheit ist in der Verteidigung das absolute A und O – da gibt’s keine Diskussion. Skalierbarkeit hängt eher vom Einsatzszenario ab, wird aber durch die Oracle Database grundsätzlich ermöglicht. Was ich an APEX besonders schätze, ist, dass du als Entwickler ganz einfach auf die vielen Sicherheitsfeatures der Datenbank zugreifen kannst. Zusammen mit Tools wie APEXSec oder APEX-SERT kannst du deine Apps effektiv überprüfen und absichern.
Die APEX-Community ist bekannt für ihre Offenheit und Hilfsbereitschaft. Wie hat das deine persönliche Entwicklung beeinflusst?
Als ich 2004 mit APEX angefangen habe, hatte ich keine formale Ausbildung im Softwarebereich – das machte es schwer, ernst genommen zu werden. Ich hatte oft Selbstzweifel, klassisches Impostor-Syndrom. Die APEX-Community war da für mich ein echter Wendepunkt – sie hat mir Rückhalt und Motivation gegeben. Inzwischen habe ich mehrere Abschlüsse, unter anderem einen Master, und bin jetzt in der Position, der Community etwas zurückzugeben, die mir so viel bedeutet hat.
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#orclapex
Auf der Oracle APEX Roadshow hast du neue Features in APEX 24.1 vorgestellt. Welche generativen KI-Funktionen werden 2025 deiner Meinung nach besonders wichtig?
Ganz klar: Vektor-Suchkonfigurationen. Sie bringen semantisches Verständnis in deine Daten – die Apps können also nicht nur nach Schlagwörtern suchen, sondern auch den Kontext erfassen. Das ist auch die effizienteste Methode, um KI mit Unternehmensdaten arbeiten zu lassen – über Retrieval-Augmented Generation (RAG). Damit wird die Genauigkeit und Relevanz von KI-Ergebnissen massiv verbessert.
Du bist seit 28 Jahren Reservist und gleichzeitig Tech Leader. Wie beeinflusst militärisches Denken deine Herangehensweise an Softwarearchitektur und agile Projekte?
Viele haben ein falsches Bild vom Militär: Befehl und Gehorsam. In Wirklichkeit geht es um Vorbildfunktion – Loyalität, Integrität, Einsatz für andere. Ich glaube an Servant Leadership: Teams durch klare Kommunikation, Respekt und Verlässlichkeit stärken. Das passt perfekt zur agilen Arbeitsweise – deshalb funktionieren Leute mit militärischem Hintergrund oft auch so gut in agilen Teams.
Du hast auf internationalen Events gesprochen. Siehst du Unterschiede in der Art, wie weltweit mit Low-Code gearbeitet wird?
Die Unterschiede sind weniger geografisch als organisatorisch. Wie Low-Code eingesetzt wird, hängt stark davon ab, wie offen die IT-Führung für neue Ansätze ist. Leider halten viele Entscheidungsträger noch an alten Vorstellungen fest – und verpassen so enorme Chancen in Sachen Effizienz, Kostenersparnis und Wartung. Oft fehlt auch das tiefere Verständnis für die Vielfalt im Low-Code-Markt – dabei ist genau das wichtig, um die passende Technologie zu wählen.
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📍 13.–15. Mai 2025
📌 Europa-Park Rust
🎟️ Tickets, Hotels & Infos: apex.doag.org
Du setzt auf testgetriebene und datengestützte Entwicklung. Wie lassen sich diese Ansätze in einer schnelllebigen Low-Code-Welt sinnvoll umsetzen?
Viele Teams arbeiten noch nicht wirklich mit modernen Testmethoden – aber es führt kein Weg daran vorbei: Tests müssen fester Bestandteil der QA-Strategie sein. Dazu gehören Peer Reviews, Unit Tests, UAT, Code Scans, explorative Tests, automatisierte UI-Tests und Performance-Tests. Automatisierte Browser-Tests geben dir zwar die komplette Sicht auf die App, sind aber oft teuer, langsam und anfällig. Gute agile Entwicklung braucht Automatisierung – also müssen Teams eine Teststrategie entwickeln, die Aufwand, Tools und Risiko ausbalanciert.
Über die APEX connect hinaus – wie sieht deine Vision für Oracle APEX 2026 aus? Und wie verändert sich die Rolle von Entwickler:innen?
Meine Vision für 2026: Noch bessere KI-Funktionen für Entwickler:innen und Endnutzer:innen. Wenn 2024 das Jahr der generativen KI war und 2025 das Jahr der Agenten-KI wird, könnte 2026 das Jahr von Generative Development (GenDev) sein – also die Zeit, in der KI nicht nur hilft, sondern komplexe Systeme komplett selbstständig erstellt, allein durch natürliche Sprache. Fast ohne menschliches Zutun.
Warst du schon mal im Europa-Park – und wirst du bei der APEX connect in Rust auf die Achterbahn steigen? Gibt’s vergleichbare Parks in UK mit Konferenzmöglichkeiten?
Die letzte Achterbahn, auf die ich mich getraut habe, war der Velociraptor im Paultons Park – mit meinem Sohn. Danach hatte ich drei Monate lang Schwindel! Dieses Mal findest du mich eher beim Autoscooter, an der Eisbude – oder vielleicht traue ich mich auf die Wildwasserbahn. Spaß, aber in Grenzen!
Vielen Dank für das Interview.
Die englische Fassung des Interviews
gibt es hier als PDF!
DOAG Datenbank 2025 mit Cloud Infrastructure
Für die am zweiten Tag der APEX connect 2025 ebenfalls im Europa-Park startende und parallel stattfindende DOAG 2025 Datenbank mit Cloud Infrastructure (14. und 15. Mai) kann man mit wenig Geld im APEX connect Shop ein entsprechendes Upgrade buchen, das zum Besuch sämtlicher Sessions von APEX connect 2025 und DOAG 2025 Datenbank mit Cloud Infrastructure berechtigt.


