Als Larry Ellison die Bühne betritt, ist ihm seine gute Laune anzumerken. Er schaut sich die überfüllte Halle D vom Kongresszentrum Moscone Nord an und dann fängt er an. Der Oracle-Chef ist in seinem Element. Er habe gar nicht so viel anzukündigen, meint er sein Mikrofon zwischen Daumen und Zeigefinger haltend. Vier Punkte wird er in der einstündigen Keynote ansprechen. Es geht um Infrastructure-as-a-Service (IaaS), Private Cloud, um die neue Datenbankversion 12c und um die vierte Generation von Exadata-Systems.
Mit der ersten Ankündigung erreiche man eine neue Ära im Utility Computing, meint er. Nachdem Oracle im vergangenen Jahr auf der Oracle OpenWorld seine Oracle Cloud vorgestellt hatte, wird diese jetzt vervollständigt. Bisher konnte Oracle Software-as-a-Service (Saas) sowie Plattform -as-a-Service (PaaS) anbieten. Nun vervollständigt das Unternehmen das Angebot und bietet Infrastructure-as-a-Service. Neben CRM, ERP, Datenbank oder Java sollen nun auch Betriebsysteme, Virtual Machines, Storage oder Engineered Systems über die Cloud angeboten werden. „Es war die logische Konsequenz“, schlussfolgert der Oracle Chef und verspricht höchste Qualität auf allen drei Schichten.
Die Cloud gibt es übrigens künftig hinter der Firewall des Kunden in der Form einer Private Cloud. „Sie haben die Wahl und sie können kombinieren“, fügt der 68-Jährige hinzu. Beide – Public und Private Cloud seien absolut austauschbar, betont der Oracle Visionär, weil beide auf den gleichen Standards basierten. „Die Cloud ist überall die gleiche“. Auch neu: Zusätzlich zu CRM sollen weitere Applikationen wie Oracle E-Business Suite, PeopleSoft oder Siebel in der Cloud verfügbar sein.
Die Vision der Oracle Cloud erstreckt sich bis hin zur Datenbank. Dass die neue Datenbank-Version den Namen 12c tragen soll, war bereits seit einiger Zeit bekannt. Kürzlich kündigte Oracle auch an, dass diese erste 2013 geliefert wird. Trotzdem ist der CIO auf Oracle Database 12c- als Teil der Cloud-Strategie eingegangen: Als Ellison die Mandantenfähigkeit der künftigen Datenbank anspricht, spendiert ihm das Publikum Applaus.
„Es wird die erste mandantenfähige Datenbank für die Cloud sein“. Traditionell sei die Mandantenfähigkeit im Applikations-Layer selbst integriert. Das habe aber den Nachteil, dass gewisse Sachen wie die Reporting- oder BI-Tools nicht ordentlich funktionieren. Nun präsentiert Oracle eine komplett neue Architektur. Es handelt sich um eine pluggable Datenbank, die die „Basis für die Erweiterung der Oracle Cloud“ darstellt, so Larry Ellison. Die neue Datenbank funktioniert nach dem Prinzip der Container: Zuerst erstellt der DBA einen Container, der die eigentlichen Datenbanken – pluggable Datenbanken genannt – beinhaltet. Und jetzt befinden sich Memory und Prozesse auf dem Container-Level.
Unaufhörlich läuft der Oracle-Chef auf der rot bestrahlen, überdimensionalen Bühne auf und ab. Gelegentlich bleibt er kurz stehen und trinkt einen Schluck Wasser. Als letzte Ankündigung zeigt Ellison die neue Exadata x3 In-Memory Machine. Mit einem DRAM von 4 Terabytes, 22 Terabytes PCI Flash und 500 Terabytes Disk sei die Appliance in der Lage, „alle Ihre Datenbanken“ in-memory zu speichern“, betont Larry Ellison. Insgesamt beziffert der Oracle-Chef die Speicherkapazitäten des neuen Wunderproduktes auf 220 Terabytes komprimierte Benutzerdaten. „Und sie ist zum gleichen Listenpreis wie Exadata x2 verfügbar“, fügt er hinzu. Für diesen Satz bekommt er einmal mehr Applaus. „The two Ms - Multitenancy and Money“, schlussfolgert er über die Reaktion des Publikums. Und dann fangen die Sticheleien an: „SAP hat eine Maschine, die ein bisschen klein ist. Sie heißt HANA, glaube ich.“
Als Larry Ellison am Ende seiner Präsentation abschließt fragt er: „Warum machen wir das eigentlich? Wir müssen nicht Performance als Performance verstehen. Bessere Systeme sind kostengünstiger, das ist der Grund, weshalb wir unsere Systeme schneller machen“. Irgendwie ist es schwer, es ihm abzunehmen. Ihm geht es doch ein Stück um Innovationen.


